Erneuerbare Energien
Erneuerbare Energien leisten einen steigenden Beitrag zur Energieversorgung. Bayern nimmt in Deutschland bei Wasserkraft, Biomasse, Solarstrom und -wärme, Umweltwärme, Geothermie eine Spitzenstellung ein. Mit derzeit knapp 11 % (Energieprognose 2010) ist der Anteil der erneuerbaren Energien am bayerischen Primärenergieverbrauch deutlich höher als im Bundesdurchschnitt mit 9,4 % (Energieprognose 2010).
Für eine Energieversorgung ohne Kernenergienutzung müssen wir so rasch wie möglich alle in Bayern verfügbaren und zu ökonomisch und ökologisch vertretbaren Bedingungen nutzbaren erneuerbaren Energieformen auf breiter Basis weiter ausbauen:
Dabei müssen die volkswirtschaftlich günstigen, gesellschaftlich akzeptierten und zugleich umweltverträglichen Lösungen Priorität haben. Eine einseitige Fokussierung auf einzelne der erneuerbaren Energieformen oder ein unabgestimmter Ausbau würde die ganzjährige Energieversorgungssicherheit gefährden und erhebliche, unnötige System-Mehrkosten verursachen. Damit würde der bereits bestehende Preisschub bei der Energiebereitstellung weiter verschärft. Stattdessen wollen wir durch Förderung von innovativen Techniken und Mechanismen zu einer Preissenkung und vollen Marktfähigkeit erneuerbarer Energien gelangen.
Wir werden deshalb den volks- und energiewirtschaftlich besten Mix eines umweltverträglichen und von Bürgern akzeptierten Ausbaus erneuerbarer Energien vorantreiben. Damit leisten wir auch einen wichtigen wirtschafts- und strukturpolitischen Beitrag zur Stärkung des ländlichen Raums, wo ein Großteil der Wertschöpfung erneuerbarer Energien entsteht.
Mehr dazu lesen Sie im Energiekonzept.
Auf dieser Seite folgen die wichtigsten Aussagen des Energiekonzepts zu den einzelnen Energieträgern. Auf den Unterseiten finden sich die wichtigsten Rechtsvorschriften und weitere Informationen zu Technik und Wirtschaftlichkeit.
Die Ziele im Überblick
- Bis zum Jahr 2021 soll die Wasserkraft rd. 17 % (derzeit: rd. 15%) des Stromverbrauchs Bayerns decken.
- Bis zum Jahr 2021 soll die heimische Windenergie 6 bis 10 % (derzeit: rd. 0,6 %) des Stromverbrauchs Bayerns decken.
- Bis zum Jahr 2021 soll der Energieträger Biomasse 9 % (derzeit: rd. 7 %) des Gesamtenergieverbrauchs und knapp 10 % (derzeit: rd. 6 %) des Stromverbrauchs Bayerns decken.
- Bis zum Jahr 2021 soll die Photovoltaik bei deutlich stromnetz- und stromlastgerechterer Einspeisung über 16 % (2009: rd. 3 %) des Stromverbrauchs Bayerns decken.
- Bis zum Jahr 2021 sollen Solarthermie und Umgebungswärme rd. 4 % (derzeit: rd. 0,5 %) des Gesamtenergieverbrauchs Bayerns decken.
- Bis zum Jahr 2021 soll die Tiefengeothermie knapp 1 % (derzeit: weniger als 0,2 %) des Gesamtenergieverbrauchs und rd. 0,6 % (derzeit: deutlich unter 0,1 %) des Stromverbrauchs Bayerns decken.
Wasserkraft
Die Wasserkraft ist mit einem Anteil von etwa 60 % die wichtigste und am stärksten ausgebaute Form der Stromerzeugung aus regenerativen Energiequellen in Bayern. Anders als die wetter- und tageszeitenbedingt stark fluktuierenden Energiequellen Wind und Sonne ist die Wasserkraft grundsätzlich rund um die Uhr verfügbar und kann damit gleichermaßen in Grund-, Mittel- und Spitzenlast eingesetzt werden. Sie leistet daher einen wichtigen Beitrag zur Bedarfsdeckung und Systemstabilität.
Die Erzeugungskosten für Wasserkraftstrom sind im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energien niedrig. Auf Grund einer langen Tradition wird die Wasserkraft in Bayern bereits intensiv genutzt. Die noch vorhandenen Wasserkraftpotenziale sollen verstärkt genutzt, die Wasserkraft muss schnell, konsequent und umweltverträglich ausgebaut werden.
Wir wollen die Stromerzeugung aus Wasserkraft (ohne Pumpspeicherkraftwerke) in Bayern bis 2021 um rd. 2 Mrd. kWh/Jahr erhöhen. Die derzeitige Erzeugung von durchschnittlich rd. 12,5 Mrd. kWh/Jahr (ohne Pumpspeicher; langjähriger Mittelwert der Stromerzeugung) wird damit um gut 15 % auf rd. 14,5 Mrd. kWh/Jahr gesteigert, was rd. 17 % des derzeitigen Stromverbrauchs Bayerns entspricht. Damit könnten rd. 500.000 Haushalte zusätzlich mit regenerativem, CO2-freiem Strom versorgt werden.
Bis zum Jahr 2021 soll die Wasserkraft rd. 17 % des Stromverbrauchs Bayerns decken.
Mehr dazu lesen Sie im Abschnitt "Wasserkraft" des Energiekonzepts.
Windenergie
Windenergie kann aufgrund technischer Weiterentwicklungen in den letzten Jahren künftig in Bayern seinen Beitrag durch mehr und effizientere Anlagen deutlich steigern. In Bayern sind derzeit rd. 410 Windenergieanlagen mit einer installierten Leistung von etwa 520 MW in Betrieb (Bund: rd. 21.600 Anlagen, Leistung rd. 27.210 MW). Der Anteil der Windenergie am Stromverbrauch Bayerns betrug 2009 0,6 % (bundesweit gut 6 %). Dieser relativ geringe Anteil, der in erster Linie den geographischen und topographischen Bedingungen in Bayern, aber auch der vor Ort teilweise geringen Akzeptanz von Windenergieanlagen geschuldet ist, soll deutlich erhöht werden. Wir wollen daher die wirtschaftlich vertretbare Windstromerzeugung in Bayern an für Natur, Landschaft und Bevölkerung verträglichen Standorten verstärkt ausbauen.
Unter Voraussetzung einer gesteigerten öffentlichen Akzeptanz und eines breiten gesellschaftlichen Konsens sowie der preislichen Marktfähigkeit könnte der Stromertrag aus bayerischer Windenergie nach Fachverbandsaussagen schon in den nächsten fünf Jahren von 0,6 Mrd. kWh (2009) auf rd. 5 Mrd. kWh und bis 2021 sogar auf über 17 Mrd. kWh im Jahr erhöht werden, was den Neubau von zunächst 1.000 Windenergieanlagen erforderlich machen würde. Rein rechnerisch (d. h. keine gesicherte Versorgung aufgrund schwankenden Windaufkommens) ließen sich damit innerhalb weniger Jahre insgesamt rd. 1,4 Mio. bayerische Haushalte mit Windstrom versorgen. Raumverträglichkeit, Wirtschaftlichkeit und Bürgerakzeptanz werden aber die in den nächsten Jahren tatsächlich realisierbare Zahl von Windenergieanlagen bestimmen. Unter dieser Prämisse halten wir die Errichtung von 1.000 bis 1.500 neuen Windenergieanlagen bis zum Jahr 2021 für realistisch.
Bis zum Jahr 2021 soll die heimische Windenergie 6 bis 10 % (derzeit: rd. 0,6 %) des Stromverbrauchs Bayerns decken.
Mehr dazu lesen Sie im Abschnitt "Windenergie" des Energiekonzepts.
Windenergie-Erlass
Die Bekanntmachung "Hinweise zur Planung und Genehmigung von Windkraftanlagen" (Windenergie-Erlass (391 KB)) ist mit Beschluss des Ministerrats am 20.12.2011 in Kraft getreten. Der Windenergie-Erlass stellt einen Beitrag zum beschleunigten umwelt- und gesellschaftsverträglichen Ausbau der Windkraft dar. Er gibt Orientierungshilfen und Hinweise mit dem Ziel der Sicherstellung eines einheitlichen Vollzugs, der Erleichterung der immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren sowie der Steuerung der vorgeschalteten Planungen.
Bioenergie
Biomasse ist in Bayern der derzeit wichtigste erneuerbare Energieträger. Nahezu die gesamte "erneuerbare" Mobilität, über 90 % der "erneuerbaren" Wärme und knapp 30 % des "erneuerbaren" Stroms resultieren aus Bioenergieträgern. In Bayern hat sich der Primärenergie-Beitrag der genutzten Bioenergie seit 1995 bis 2009 von knapp 12 Mrd. kWh (42 PJ) auf rd. 42 Mrd. kWh (150 PJ) mehr als verdreifacht und die Stromerzeugung von nahezu Null auf rd. 5,8 Mrd. kWh gesteigert. In Summe beträgt der Anteil der Biomasse an allen erneuerbaren Energieträgern Bayerns rd. 70 %.
Das derzeit abgeschätzte technische Bioenergie-Potenzial Bayerns soll unter Effizienzgesichtspunkten vollständig ausgeschöpft werden. Das bedeutet, bis 2021 sollen rd. 50 Mrd. kWh/Jahr Primärenergie und rd. 8 Mrd. kWh/Jahr Strom aus Biomasse in Bayern erzeugt werden. Dazu müssen organische Rest- und Abfallstoffe noch effizienter genutzt, das Stroh- und Holznutzungspotenzial noch stärker erschlossen sowie effiziente Umwandlungstechnologien (u. a. Biomasse- Vergasungstechnik) weiter vorangebracht werden. Bei den Biokraftstoffen sind auch die Reinkraftstoffe wieder stärker voranzubringen. Für die Biogaserzeugung sind die vorhandenen Quellen (z. B. ohnehin anfallende Gülle) noch umfassender und effizienter zu nutzen. Zudem ist eine höhere Diversität bei Energiepflanzen zu erreichen, um den angestrebten Ausbau der für nachwachsende Rohstoffe genutzten landwirtschaftlichen Fläche umweltverträglich und mit gesellschaftlicher Akzeptanz zu realisieren. Zudem wollen wir die Installationsrate von Holzpelletheizungen im Gebäudebestand deutlich steigern.
Bis zum Jahr 2021 soll der Energieträger Biomasse 9 % (derzeit: rd. 7 %) des Gesamtenergieverbrauchs und knapp 10 % (derzeit: rd. 6 %) des Stromverbrauchs Bayerns decken.
Mehr dazu lesen Sie im Abschnitt "Bioenergie" des Energiekonzepts.
Photovoltaik
Bayern ist als Bundesland mit überdurchschnittlich günstigen solaren Strahlungsverhältnissen führend beim Einsatz von Photovoltaik. Bis Ende 2009 entfielen rd. 3.900 MW und damit fast 40 % der in Deutschland installierten Solarstromgesamtleistung auf Bayern. Das theoretische Potenzial der Photovoltaik ist zwar noch um ein Vielfaches höher. Unter der Prämisse, dass der verstärkte Ausbau erneuerbarer Energien für die Volkswirtschaft wie auch für den Einzelnen bezahlbar bleiben muss, gilt es für den weiteren Ausbau der Photovoltaik in Bayern ökonomisch, ökologisch und energiewirtschaftlich sinnvolle Ziele zu setzen. In welchem Umfang und wie schnell zusätzliches Nutzungspotenzial der Photovoltaik erschlossen werden kann, wird auch stark von einer künftig wesentlich stromnetzverträglicheren und stromlastgerechteren Einspeisung der im Tagesgang sehr stark schwankenden Solarstromerzeugung abhängen. Dafür müssen zügig die richtigen technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden.
Das ökonomisch, ökologisch und energiewirtschaftlich verträglich nutzbare Potenzial der Photovoltaik, das bei gemäßigter Trendfortschreibung in Bayern bis 2021 auf eine installierte Gesamtleistung von rd. 14.000 MW (Stand Ende 2009: ca. 3.900 MW) eingeschätzt wird, soll in Bayern stromnetz- und stromlastgerecht realisiert werden.
Bis zum Jahr 2021 soll die Photovoltaik bei deutlich stromnetz- und stromlastgerechterer Einspeisung über 16 % (2009: rd. 3 %) des Stromverbrauchs Bayerns decken.
Mehr dazu lesen Sie im Abschnitt "Photovoltaik" des Energiekonzepts.
Solarthermie und Umgebungswärme
Bayern verfügt über in Deutschland überdurchschnittlich hohe solare Einstrahlwerte und überwiegend gut geeignete Bodenstrukturen zur Erdwärmenutzung (ober- flächennahe Geothermie). Diese Ressourcen können in großem Umfang mit Solarkollektoren und Wärmepumpen zur Brauchwassererwärmung und Gebäudeheizung genutzt werden. Im Neubau kommen solche Anlagen – auch bedingt durch ordnungsrechtliche Vorgaben im Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz und in der Energieeinsparverordnung – bereits vielfach zum Einsatz. Im Gebäudebestand werden sie hingegen wegen der meist notwendigen baulichen Eingriffe und der damit verbundenen Unannehmlichkeiten, der nicht unerheblichen Kosten und zum Teil auch wegen fehlender Kenntnis bislang nur in begrenztem Umfang eingesetzt.
Um das Ziel eines weitgehend klimaneutralen bayerischen Gebäudebestandes bis 2050 mit einem mindestens 50 %-Anteil erneuerbarer Energien im Wärmebereich zu erreichen, wollen wir neben der Umsetzung weiterer effizienzsteigernder Maßnahmen die im Gebäudebestand installierten Solarkollektoranlagen und Wärmepumpen innerhalb der nächsten Jahre dauerhaft verdoppeln. Dabei setzen wir in erster Linie auf marktgerechte Anreize, auf finanzielle Förderungen und Information. Ordnungsrechtlich vorgeschriebene Zwangssanierungen des Gebäudebestands sind dagegen nicht zielführend.
Bis zum Jahr 2021 sollen Solarthermie und Umgebungswärme rd. 4 % (derzeit: rd. 0,5 %) des Gesamtenergieverbrauchs Bayerns decken.
Mehr dazu lesen Sie im Abschnitt "Solarthermie und Umgebungswärme" des Energiekonzepts.
Tiefengeothermie
Im südbayerischen Raum bietet sich mit den Thermalwasservorkommen in den Malmkarbonaten die Möglichkeit einer geothermischen Nutzung aus einer heimischen Energiequelle. Es handelt sich hierbei um die größte direkt nutzbare Geothermielagerstätte West- und Mitteleuropas. Der Schwerpunkt der Nutzung liegt bei der geothermischen Wärmeversorgung und damit der klimaschonenden Substituierung von Öl und Gas im Wärmebereich. Bei höheren Temperaturen ab 80 °C bestehen auch Möglichkeiten, grundlastfähigen Strom zu produzieren. Das über Tiefbohrungen in Bayern bisher erschlossene geothermische, hydrothermale Potenzial liegt bei ca. 300 MW für die Wärmenutzung und zusätzlich 25 MW für die Stromerzeugung. Insgesamt könnten bei vollständiger großflächiger Erschließung aus diesem Heißwasseraquifer für die Wärmenutzung ca. 1.800 MW und zusätzlich 300 MW für die Stromerzeugung in Bayern genutzt werden.
Das wirtschaftliche und umweltverträgliche Tiefengeothermie-Potenzial Bayerns soll vollständig ausgeschöpft werden. Das Interesse seitens der Kommunen und der Geothermieunternehmen daran ist ungebrochen. Die geothermische Wärme- und Stromproduktion soll vorangetrieben werden, wodurch mittelfristig bis zu rd. 1 % des bayerischen Wärme- und Strombedarfs gedeckt werden kann. Neben der bisher in Anwendung befindlichen hydrothermalen Geothermie bietet sich dazu auch die neuartige sog. petrothermale Geothermie an. Diese Technologie steht noch am Anfang und bedarf umfangreicher Forschungsanstrengungen.
Bis zum Jahr 2021 soll die Tiefengeothermie knapp 1 % (derzeit: weniger als 0,2 %) des Gesamtenergieverbrauchs und rd. 0,6 % (derzeit: deutlich unter 0,1 %) des Stromverbrauchs Bayerns decken.
Mehr dazu lesen Sie im Abschnitt "Tiefengeothermie" des Energiekonzepts.